Von märchenhaft bis digital, von mutigen Frauen und spektakulären Brunnenfunden

Die Sieben Schlösser und ihre größten Kostbarkeiten

Hameln, 12. Juni 2015 -Mit Schlössern verbinden viele Menschen zahllose Kostbarkeiten und stellen sich darunter enormen Prunk und Pomp vor – doch das ist gar nicht immer der Fall. Die Sieben Schlösser im Leine-und Weserbergland, nach ihren wertvollsten Gegenständen befragt, haben ganz unterschiedliche und sehr erstaunliche Kostbarkeiten parat. Und dahinter verbergen sich auch noch ganz besondere Geschichten.

Die Besucher werden entführt in die reale und digitale Schlossbibliothek auf Schloss Corvey, zur Königskrone auf Schloss Marienburg, zum Gemälde einer großartigen Frau auf Schloss Hämelschenburg, zu einem spektakulären Brunnenfund auf Schloss Pyrmont, zum edelsten Porzellanservice auf Schloss Fürstenberg, zur Goldenen Götterpforte auf Schloss Bückeburg und in die Schlosskapelle des Weserrenaissance Schlosses Bevern.

Schloss Corvey … wo aus uralten, wertvollen Handschriften eine weltweit zugängliche, digitale Bibliothek wurde

Bücher haben in Deutschland einen besonders hohen Stellenwert. Und so verwundert es gar nicht, dass die größte Kostbarkeit auf Schloss Corvey (seit 2014 mit dem Westwerk UNESCO Weltkulturerbe) eine ganz außergewöhnliche Sammlung von Büchern ist.

Schloss Corvey war schon vor über eintausend Jahren eines der bedeutendsten Zentren der Bildung und des Wissens. In dieser Bibliothek gab es eine Schreibschule, das sogenannte Scriptorium, wo die Mönche jene Auserwählten waren, die schreiben und lesen lernen durften. Nicht nur das – sie schufen einen großen Schatz, als sie Schriftsteller der Antike, mit aufwendiger Schrift und Malerei versehen, abschrieben. Mit der Sachsengeschichte des Mönches Widukind von Corvey entstand hier eines der bedeutendsten Zeugnisse abendländischer Geschichtsschreibung des 10. Jahrhunderts. Sogar eine Abschrift der berühmten Tacitus-Annalen lag hier.

Doch dieser Reichtum war nicht von Dauer – die Annalen verschwanden 1508 gen Florenz, wo sie sich bis heute befinden, und im Dreißigjährigen Krieg wurde die Bibliothek geplündert. Die im 17. und 18. Jahrhundert neu aufgebaute Sammlung fiel der Säkularisation zum Opfer.

Erst vor kurzem gelang es Wissenschaftlern in einem Forschungsprojekt, Teile der alten, mittelalterlichen und neuzeitlichen Bibliothek wieder zusammenzuführen. Und schließlich etablierte Corvey gemeinsam mit den Wissenschaftlern eine virtuelle Bibliothek, in der die wertvollen Handschriften und Drucke weltweit zugänglich sind (www.nova-corbeia.uni-paderborn.de).

Darunter befindet sich der von August Hoffmann von Fallersleben entscheidend geprägte Bestand der Adelsbibliothek; der fürstliche Bibliothekar Hoffmann von Fallersleben war nicht nur der Dichter des Deutschlandliedes, sondern auch Verfasser von rund 500 Kinderliedern und zahlreichen politischen Schriften. Die fürstliche Bibliothek ist mit ihren 74.000 Werken, Prachtbänden, Reiseberichten und Ansichtsbänden eine der kostbarsten Privatbibliotheken Deutschlands. Und in 15 Sälen, verteilt auf 200 Bücherschränke aus verschiedenen Holzarten, entworfen von einem Schüler Carl-Friedrich Schinkels, kann diese einzigartige Kostbarkeit auch vor Ort besichtigt werden.

Heute ist Schloss Corvey Wohnsitz des Herzogs von Ratibor und Fürsten von Corvey.

Schloss Marienburg … wo Krone und Zepter nicht nur von Macht künden, sondern auch von großer Liebe und Tragik

Es ist das Schloss der Liebe und der Tragik – Schloss Marienburg hat die kürzeste Geschichte der Sieben Schlösser, doch wurde es durch diese beiden Extreme geprägt. Es war ein Geschenk der Liebe des letzten Welfenkönigs auf Hannovers Thron, Georg V., an seine Gattin Königin Marie. Doch sie konnten das schöne Schloss nicht lange genießen – sie mussten vor den anrückenden Preußen ins Exil fliehen und sahen ihre Heimat nie wieder.

Das Kostbarste dieses märchenhaften Welfensitzes ist etwas, das jetzt, nach 163 Jahren, als Ensemble zum ersten Mal überhaupt ausgestellt wird: die hannoversche Königskrone, das Zepter des Königs sowie die Prinzessinnenkrone. Gefertigt wurde dieses wertvolle Ensemble aus Anlass der Hochzeit des damaligen Kronprinzen Georg und der Marie von Sachsen Altenburg. Der endgültige Entwurf für die Kronjuwelen soll von Hofbaumeister Georg Ludwig Friedrich Laves stammen, der schon als Stadtplaner maßgeblich die Stadtentwicklung Hannovers geprägt hatte. Die Hofjuweliere und Goldschmiede Georg Julius Friedrich Knauer und Wilhelm Lameyer erhielten schließlich den Auftrag, die Insignien der Hannoverschen Krone zu erschaffen. 5.499 Taler soll die Herstellung gekostet haben, doch heute lässt sich der Wert gar nicht mehr beziffern.

Die Kronen aus 14-karätigem Gold sind reich mit ornamentalen Blüten, Blatt-und Pflanzendarstellungen ziseliert. Die Zinken des Reifs sind mit Perlen besetzt, und die Königskrone mit Smaragden, Saphiren und orientalischen Granaten versehen. Das knapp 80 Zentimeter lange Zepter zieren darüber hinaus auch mehrere Brillanten.

Das allein macht das Ensemble natürlich schon besonders wertvoll. Und der junge Schlossherr Ernst August Erbprinz von Hannover ist „glücklich, dass wir die Kronjuwelen meiner Urururgroßeltern nach so langer Zeit wieder öffentlich zeigen können“. Doch kostbar sind die Kroninsignien den Erben und Freunden des Schlosses Marienburg auch aufgrund ihrer Geschichte. Denn das Schicksal von Georg und Marie berührt die Menschen bis heute – alle Werte, alles Gold und alle Smaragde haben sie nicht davor bewahren können, aus ihrem Schloss, aus ihrer Heimat ins Exil fliehen zu müssen. Ihre Liebe hat das Exil jedoch überdauert – auch dafür stehen die Kronjuwelen und das Schloss bis heute.

Schloss Hämelschenburg … wo der unglaubliche Mut einer einzelnen, klugen Frau viele Menschenleben und ein ganzes Schloss rettete

Eine Kostbarkeit ganz anderer Art ist auf Schloss Hämelschenburg zu sehen: das Porträt der Anna von Klencke, geb. von Holle. „Es ist mein kostbarster Schatz“, sagt der heutige Schlossherr Lippold von Klencke, „weil es auf faszinierende Art und Weise erkennen lässt, was für eine gebildete, einflussreiche und eindrucksvolle, große Persönlichkeit sie war.“ Nicht nur das – Anna von Holle war eine derjenigen heute fast vergessenen Frauen der adeligen Gesellschaft, ohne deren großen Einsatz wir heute nicht in den Genuss kämen, diese Schlösser zu besichtigen und in ihren Mauern Kulturveranstaltungen zu erleben.

Das 80 Zentimeter breite und 105 Zentimeter hohe Gemälde stammt von Adam Offinger, einem Maler am Hofe des Herzogs Heinrich Julius von Braunschweig. Es begrüßt die Besucher des Schlosses schon im Entrée. Damit zeigt der heutige Schlossherr sogleich, welch große Bedeutung Anna von Holle für das Schloss tatsächlich hatte und noch heute hat. Geboren 1567, wuchs sie als Halbwaise bei ihrem Onkel, dem Bischof von Lübeck und Verden auf. Dort erhielt sie eine christliche, aber auch eine fundierte humanistische Bildung – was für diese Zeit außergewöhnlich war. Nach ihrer Hochzeit begannen beide, das Schloss zu bauen. Während ihr Mann als Stadthalter in Blankenburg/Harz arbeitete, führte sie die Bautätigkeiten fort.

Unter ihrer Ägide kamen eine Befestigungsanlage, zwei Wirtschaftshöfe und ein Lustgarten hinzu. Und all das, während sie vierzehn Kindern das Leben schenkte. Doch dann starb ihr Mann sehr früh, sodass sie ab 1609 alleine für die unmündigen Kinder und den Hof sorgen musste. Sie tat dies mit heute kaum vorstellbarer Tapferkeit. Mit Hilfe des Kaisers befreite sie einen ihrer Söhne aus den Fängen der römischen Inquisition, stellte die Bauarbeiten am Schloss fertig und verwaltete den großen Betrieb.

Als im 30-jährigen Krieg die Armeen des Feldherrn Tilly mit Plünderungen im Sinn immer näher kamen, ritt Anna von Holle kurzentschlossen dem Feldherrn entgegen, um ihre Kinder, ihr Personal, ihr Schloss und ihren Hof vor den Plünderungen zu bewahren. Der Coup gelang, und sie schaffte das Unmögliche: mit Tilly schloss sie einen Schutzvertrag, der es seinen Soldaten unter Androhung der Todesstrafe verbot, das Schloss und die Ländereien zu betreten. Wir können Schloss Hämelschenburg heute nur dank ihrer ungewöhnlichen Courage besichtigen. Bis heute lebt eine ganz besondere Tradition Anna von Holles weiter: alljährlich an ihrem Todestag wird den Witwen der einstigen Gutsarbeiter eine Rente gezahlt.

Kaum verwunderlich, dass das einzige erhaltene Porträt dieser außergewöhnlichen Frau der kostbarste Schatz ihrer Nachfahren ist.

Schloss Pyrmont … wo an einem unwahrscheinlichen Ort ein spektakulärer Schatz gefunden wurde

Ein Brunnen ist auf ersten Blick sicher einer der unwahrscheinlichsten Orte, um einen Schatz zu finden. Doch was der Brodelbrunnen von Bad Pyrmont vor etwas über 150 Jahren bei Bauarbeiten freigab, ist das Kostbarste, das Schloss Bad Pyrmont heute vorzuweisen hat. Hunderte Fundstücke gruben die Arbeiter unter Anleitung des berühmten Geologen und Quellenfachmanns Rudolph Ludwig im Jahr 1863 aus: Fibeln, eine Schöpfkelle und drei Münzen. Das mag zunächst nicht weiter aufregend klingen, doch handelt es sich hier um Gegenstände aus den ersten Jahrhunderten nach Christi Geburt. Und damit ist der Brunnenfund einer der bedeutendsten frühgeschichtlichen, kaiserzeitlichen Opferfunde Mitteleuropas.

Die Fibeln, die dort ausgegraben wurden, bestanden aus Silber und Bronze. Die alten Germanen nutzten Fibeln als Broschen, die die Gewänder nicht nur wie mit einer Sicherheitsnadel zusammenhalten, sondern auch verzieren sollten. Je aufwändiger und kostbarer sie gestaltet waren, desto höheren Standes war die Person, die sie trug. Die Fibeln aus dem Brunnenfund sehen sehr unterschiedlich aus: manche sind ganz schlicht geformt und mit Mustern verziert; andere wiederum sind in Form von Tieren geschmiedet, einem Eber, einem Wolf, einem Hasen, und sogar einem silbernen Reiter – es sind ganz besondere Zeugnisse der herausragenden Schmiedekunst der Frühzeit.

Gefunden wurde auch eine Schöpfkelle aus Bronze. Sie ist reich verziert und mit Emaille ausgeschmückt – auch dies ein ganz außergewöhnliches Kunstwerk der frühen Kaiserzeit.

Der Brunnenfund ist aber nicht nur aufgrund der handwerklichen Ausarbeitung der Gegenstände so wertvoll. Diese Dinge waren nämlich nicht zufällig vor 2.000 Jahren in genau diesem Brunnen gelandet, sondern waren Opfergaben der Germanen an dieser besonderen Wasserquelle. Somit beweist dieser Fund am Brodelbrunnen, dass die einzigartigen Wasser von Bad Pyrmont schon vor 2.000 Jahren bekannt waren und gewürdigt wurden. Heute sind zahlreiche Stücke des Brunnenfunds im Schloss Pyrmont zu sehen: nach der Neugestaltung des Museums werden sie in einem eigens dafür gestalteten, abgedunkelten Raum gezeigt. Durch die gezielte Beleuchtung werden die kostbaren Stücke besonders gut zu erkennen und zu erleben sein. Ein Blick in diesen Raum ist wie eine Zeitreise 2.000 Jahre zurück.

Schloss Fürstenberg … wo Königinnen und Könige sich exotischen Genüssen aus zartem Porzellan hingaben

In achtzig Metern Höhe über der gemächlich vorbei strömenden Weser liegt das Schloss Fürstenberg. Es ist weltweit für sein feines Porzellan bekannt, das hier seit mehr als 265 Jahren hergestellt wird. Einfach alles in diesem Schloss dreht sich heute um das „weiße Gold“. Und so ist es wenig erstaunlich, dass auch das Kostbarste auf Schloss Fürstenberg ein Porzellanservice ist.

Das „ganz verguldete“ Ensemble aus Kaffee-und Teetassen und Schalen wurde um 1765 hergestellt und besteht aus insgesamt dreizehn Teilen. Es ist besonders aufwändig und kostbar dekoriert: fast vollständig in Gold getaucht und mit dem für die Fürstenberger Manufaktur so typischen Blumendekor verziert. Von einem Goldservice speisten nur Fürsten-und Königshäuser – so ist überliefert, dass König Friedrich der II. von Preußen, auch Friedrich der Große oder „der alte Fritz“ genannt, ein ganz ähnliches Goldservice seiner Frau Elisabeth Christine von Braunschweig schenkte. So bekam sie das Kostbarste, das im Hause ihres Bruders, des Manufakturgründers Herzog Carl I. von Braunschweig-Lüneburg, hergestellt wurde.

Dieses Kaffee-und Teeservice hat keine Kuchenteller, doch ist dies kein Zufall. Denn zu damaliger Zeit waren Kaffee, Tee und Schokolade noch keine Alltagsgüter, sondern Luxus – und der wurde ganz für sich genossen. Das nachmittägliche Kaffeetrinken, wie wir es heute kennen, mit Kuchen und Gebäck auf eigens dafür hergestellten Tellern, kam erst zu Beginn des 19. Jahrhunderts aus England hierher.

Im 18. Jahrhundert war das Kaffeetrinken auch kein großgesellschaftliches Ereignis, sondern man zog sich in das Boudoir zurück, ein Raum, der zwischen den privaten Schlafräumen und den öffentlicheren Räumen des Schlosses lag. Dort wurden dann in ganz kleinem, ausgewähltem Kreis Kaffee, Tee und heiße Schokolade zu sich genommen. Für diesen Luxus durfte dann natürlich nicht irgendein Porzellan benutzt werden – es musste dem Wert seines Inhalts entsprechend ebenfalls ein ganz besonders luxuriöses sein.

Dieses kostbare Fürstenberg-Service ist heute, auch während der Umbauarbeiten im Schloss, in den Ausstellungen in der Remise zu sehen.

Schloss Bückeburg … wo eine grandiose Holztür die Pforte zu allem darstellte, was das Leben ausmacht

Ein Türgericht ist das kostbarste Stück des Schlosses Bückeburg. Ein Türgericht? Genau, doch mit Essen hat es herzlich wenig zu tun. Stattdessen bezeichnet dieser alte Begriff das künstlerisch ausgearbeitete Ensemble eines Türdurchgangs. So besteht ein Türgericht aus einer Türschwelle, den zwei Pfosten rechts und links sowie dem Türbogen. Und im Falle des Schlosses Bückeburg ist dieses Türgericht besonders aufwändig gestaltet.

Die „Goldene Götterpforte“ wird sie genannt, und sie wurde 1604 von Fürst Ernst zu Holstein-Schaumburg für die „Weiße Stube“, damals das Vorzimmer des Theatergemachs, heute der Goldene Saal, in Auftrag gegeben. Sie kostete 350 Goldtaler und besteht vollständig aus Lindenholz, das zum Teil prunkvoll mit Blattgold verziert wurde.

Geschaffen wurde die Götterpforte von den beiden Bildhauer-Brüdern Jonas und Ebert Wulff – geboren und aufgewachsen im nahegelegenen Hildesheim, waren sie mit der ganzen Familie kurz vor diesem Auftrag nach Bückeburg übergesiedelt. Sie hinterließen neben der Götterpforte zahlreiche weitere Spuren ihrer großen Handwerkskunst auf Schloss Bückeburg, darunter Altar, Kanzel und die Holzdekoration unterhalb des Kreuzrippengewölbes der Hofkapelle.

Das kostbare Türgericht wurde im Stil des Manierismus gestaltet – einem Stil zwischen Renaissance und Barock. Stilmerkmal des Manierismus war eine bewusst gezierte, eigensinnige, gar widersprüchliche, überraschende und spannungsgeladene Gestaltung. Das im wahrsten Sinn des Wortes etwas Überdrehte dieses Stils zeigt sich in der Ausgestaltung der Figuren, den Figure serpentinate. Ihre Körper sind leicht verdreht – die Füße gehen in eine andere Richtung als die Beine, der Oberkörper geht wieder in eine andere Richtung und schließlich der Kopf in noch eine andere.

Bei diesen Figuren, nach denen die Götterpforte ihren Namen erhielt, handelt es sich um die römischen Götter Minerva, Venus, Mars, Merkur, Juno und Ceres. Ihr Zusammenspiel bildet die Basis für all die Konflikte, die ein Theaterstück ausmachen: zwischen Liebe und Krieg, Schönheit und Fruchtbarkeit, Handwerk, Medizin und Macht. Dass die Gottesfigur des Merkur, des Götterboten, das Gesicht des Fürsten Ernst trägt, ist dabei das I-Tüpfelchen auf dieser prachtvollen Kostbarkeit des Schlosses Bückeburg.

Weserrenaissance Schloss Bevern … wo sich schöne Kunst und fester Glaube an Erlösung und Vergebung die Hand reichen

Eine Kostbarkeit wieder ganz anderer Art ist im Weserrenaissance Schloss Bevern zu besichtigen: die Schlosskapelle. Das Schloss ist über 400 Jahre alt, doch wurde die Kapelle erst zu Beginn des 18. Jahrhunderts für kirchliche Zwecke genutzt. Bis dahin lag die Hofkirche im Obergeschoss des Südflügels und die heutige Kapelle war noch ein Holzstall. 1712 beschlossen Herzog Ferdinand Albrecht II. und sein Bruder Ernst Ferdinand, den Stall auszubauen und mit zwei Emporen zu versehen. Doch keine einhundert Jahre später wurde die Hofhaltung in Bevern aufgegeben und das Inventar der Kapelle versteigert. Sie verfiel und wurde im Laufe der weiteren Nutzung etwas verändert. Ihr heutiges Aussehen erhielt sie dann 1895 in der Nutzungszeit als Erziehungsanstalt Wilhelmsstift, die mittlerweile ins Schloss eingezogen war.

Mehr als 70 Jahre lang wurden hier Gottesdienste abgehalten. Zwischen 1983 und 1984 wurde die Kapelle erneut restauriert, und seitdem kommen die Besucher hier in den Genuss von Konzerten, Kunstausstellungen, Vorträgen und standesamtlichen sowie kirchlichen Trauungen.

Das Kostbare an dieser Schlosskapelle ist ihre Ausstattung, die sich über das wechselvolle vergangene Jahrhundert hinaus erhalten hat. 1896 bekam der Herzögliche Hof-und Dekorationsmaler Adolf Quensen, der auch den Braunschweiger Dom ausmalte, den Auftrag, die Decken, Säulen und Holzteile zu bemalen und fünf große Bilder für die Wände anzufertigen.

Die Malereien an der Decke, den Fensterlaibungen, also den inneren Mauerflächen rechts und links der Fensteröffnung, und anderen Flächen zeigen Ornamente und Motive der Renaissance, die im 19. Jahrhundert wieder groß in Mode kamen. Nicht nur das: sie passten auf diese Weise besonders gut in dieses Schloss der Weserrenaissance.

Von den fünf Wandbildern sind heute nur noch drei erhalten, die jedoch in ihrer Größe und Aussagekraft etwas ganz Besonderes darstellen. Sie sollten den Zöglingen des Kinderheimes Wilhelmstift nicht nur die Schönheit der Kunst vor Augen führen – ihre Aussage sollte den Kindern auch wieder den rechten Weg weisen. Was bietet sich da mehr an, als das Gleichnis vom verlorenen Sohn, die Versuchung Jesu in der Wüste und die Aufnahme verwaister und verlorener Kinder im christlichen Glauben? Die Bilder unterstreichen die zentrale Bedeutung des Christentums und des Glaubens an Erlösung und Vergebung, welche das Stift prägten. Ein interessanter Seitenaspekt ist, dass die Bilder ursprünglich auf die Wand geklebt worden waren.
Im Zuge der letzten Restaurierung in den 1980er Jahren wurden sie sorgsam von der Wand gelöst und anschließend fest gerahmt wieder aufgehängt.

Das kostbarste Stück eines Schlosses – wie unterschiedlich die Wertigkeiten doch sein können! Eines haben die Kostbarkeiten allerdings gemeinsam: Ihr Wert lässt sich nicht beziffern. Von einer Bibliothek über Königskrone und Zepter, ein Gemälde, alte Fibeln und Münzen, bis hin zu einem goldenen Service, einer Götterpforte und einer Schlosskapelle: die Sieben Schlösser überraschen durch Vielfalt und begeistern mit zahllosen Details, über die es unendlich viele Geschichten zu erzählen gibt.

Die Sieben Schlösser Im Leine-und Weserbergland stammen aus verschiedenen Epochen und sind von einzigartiger kulturhistorischer Bedeutung. Im Dreieck zwischen Bückeburg, Hildesheim und Höxter, rund um die Rattenfängerstadt Hameln laden die Sieben Schlösser -vier von ihnen noch heute im Familienbesitz -mit mehr als 800 Jahren Geschichte und Kultur vom Mittelalter über die Weserrenaissance bis zum 19. Jahrhundert ein zu spannenden Zeitreisen in höfische Kultur und Architektur. Sie bilden den grandiosen Rahmen für Konzerte, Open-Air-Veranstaltungen oder Ausstellungen und gewähren mit unterhaltsamen Führungen manch unerwarteten Einblick in Leben, Kultur, Geschichte der Schlösser oder auch in die Geheimisse von Königen, Fürsten und Prinzessinnen und deren Hofstaat.

Weitere Informationen zu den Sieben Schlössern im Leine-und Weserbergland und Hameln sowie ihren aktuellen Veranstaltungen und Ausstellungen finden die Besucher auf der Homepage www.siebenschloesser.de.
Fotomaterial in hoher Auflösung für die Medien stehen hier als Download bereit: www.sieben-schloesser.de/pressefotos

Abdruck honorarfrei bei Nennung der „Sieben Schlösser im Leine-und Weserbergland“

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